
80 Swissbau Future Forum 1 Eine neue Topografie ent- steht – dank präzisen, compu- tergesteuerten Instrumenten wird eine neue Dimension der Landschaftsplanung möglich. 2 Die Terrassierung der Schichten, die Bepflanzung, je- der einzelne Baum kann durch computerbasierte Darstel- lungsmethoden beinahe wirk- lichkeitsgetreu wiedergegeben werden. W as hat der Ceneri Basistunnel mit Landschaftsarchitektur zu tun? Der Eingriff in die Natur spielt sich mitten im Berg ab, nicht sichtbar von aussen – ausser, dass sich die Infrastruktur für dieses Grossprojekt un- übersehbar in der Landschaft breitmacht. Doch da ist noch etwas: Das Material, das ehemals Berg war, türmt sich nun draussen auf, muss irgendwohin. Hinter dem schlich- ten Begriff «Deposito di Sigirino» verbergen sich 34 Hektar Neuland: Denn hier in Sigirino sammelt sich alles, was aus dem Ceneri Ba- sistunnel gebaggert wird. Herausgespreng- ter Fels und Stein – doch nicht mehr in kristalliner Felsstruktur, sondern in völlig neuem Aggregatzustand, in neuer Chemie: fein gemahlen wie Mehl, hoch basisch, nicht nutzbar. Wie kann man das wieder einpa- cken in die Natur, das Tal und es als neue Re- ferenz wieder einsetzen zur Natur? Derzeit ist dies eine der ambitiösesten Herausforde- rungen der Landschaftsarchitektur in der Schweiz! Neue Methoden, neue Medien Christophe Girot ist Professor am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur des Departe- ments Architektur der ETH Zürich und prak- tizierender Landschaftsarchitekt. Seine For- schungstätigkeiten befassen sich unter anderem mit der Entwicklung neuer topo- logischer Methoden im Landschaftsentwurf sowie dem Einsatz neuer Medien in der Landschaftsanalyse und -wahrnehmung. Mit seinem Atelier realisiert er derzeit die Landschaftsstudie für das 34 Hektar grosse «Deposito di Sigirino» für Alp Transit im Tessin. Mit neuen Methoden, Medien und Werkzeugen wird die Landschaft vermessen, wird ein präzises Bild des Terrains erzeugt, bis ins kleinste topografische Detail. Satelli- tengesteuerte Geräte ermöglichen es über- haupt erst, dieses «industrielle Projekt mit neuer Natur» anzugehen. Doch wie soll die- se neue Natur aussehen? Eine naturkonform modellierte industrielle Form? Die Formulie- rung selbst macht die Kontroverse sichtbar: Einerseits soll der Eingriff in die Natur nicht bemerkt werden, andererseits sind die 300 Schichten Material, die sich 150 Meter hoch Landschaftsarchitektur und Natur – Projekte, die ein neues Denken fordern. Brigitte Kesselring Masterplan für neue Landschaften1 2