Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Swissbau Magazin 2012

49 1 Mikrokapseln absorbieren Wärme im Verputz. 2 Prinzip des aktiven Überströmers Elias Kopf E ine gute Luftqualität trägt viel dazu bei, sich in seinen vier Wänden behag- lich zu fühlen. Der automatische Luft- austausch leistet dazu einen wesentli- chen Beitrag. Allerdings wird der Einbau von Zu- und Abluftkanälen bei Sanierungen von Wohngebäuden oft als zu teuer erachtet. Deshalb fördert die Minergie Agentur Bau zusammen mit der Fachstelle Energie- und Gebäudetechnik der Stadt Zürich die Ent- wicklung einer besonders kostengünstigen Komfortlüftung: den «aktiven Überströ- mer». Mit dem aktiven Überströmer kommt eine kostengünstige Komfortlüftung für die Sanie- rung von Wohngebäuden auf den Markt. Die Sommerhitze lässt sich damit allerdings nicht in Schach halten. Doch dank mikroverkapselten Latentwär- mespeichern steht auch für dieses Problem ein innovatives Konzept bereit. Frische Luft und angenehme Temperaturen für Wohnräume Mischzone im Gang Neuartig daran ist, dass die aufwendigen se- paraten Zu- und Abluftleitungen in die ein- zelnen Räume entfallen. Stattdessen wird der gesamte Zuluftstrom in den Gang einge- blasen und von dort mittels kleiner Ventila- toren – sogenannter Überströmer – aktiv in die einzelnen Zimmer geleitet. Die Abluft fliesst parallel dazu passiv durch die Tür in den Gang zurück, ohne dabei die Schalldäm- mung zu beeinträchtigen. Da sich Abluft und Zuluft im Gang mischen, muss die besonders belastete Luft aus Bad, WC und Küche direkt abgeführt werden. «Die bisherigen Test- ergebnisse mit aktiven Überströmern sind ermutigend. Doch dürfte es noch ein bis zwei Jahre dauern, bis wir detaillierte Pla- nungsempfehlungen bereitstellen können», erklärt Heinrich Huber von der Minergie Agentur Bau. Sommerhitze als Problem Eine Komfortlüftung kann zudem einen Bei- trag gegen die Sommerhitze leisten, sofern sie über einen Sommerbypass und ein Erdre- gister verfügt. Dann strömt die Zuluft durch eine im kühlenden Erdboden verlegte Lei- tung, bevor sie in die Wohnung eingeblasen wird. Huber: «Auf diese Weise lässt sich die Raumtemperatur um ein bis drei Grad sen- ken.» Darüber hinaus braucht es allerdings noch weitere Massnahmen. So muss etwa – nebst einem externen Sonnenschutz – si- chergestellt sein, dass Wohnhäuser genü- gend Masse aufweisen, um tagsüber Wärme aus den Räumen zu absorbieren. Vor allem bei älteren Gebäuden in Leichtbauweise reicht die Absorptionskapazität oft nicht aus. Spezialputze absorbieren Wärme Dieser Mangel lässt sich jetzt dank einer Innovation des Fraunhofer-Instituts für So- lare Energiesysteme ISE auch ohne ener- gieintensive Klimatisierung nachbessern: «Unsere mikroverkapselten Latentwärme- speicher aus Paraffin funktionieren ähnlich wie Eiswürfel: Solange das Eis schmilzt, bleibt die Temperatur bei null Grad. Erst wenn alles geschmolzen ist, steigt sie an», erklärt der frühere stellvertretende ISE-Lei- ter Volker Wittwer. Bloss schmelzen Paraffi- ne im Bereich der angenehmen Raumtem- peraturen zwischen 20 und 26 Grad. Dabei absorbieren sie viel Wärme aus der Umge- bung und bremsen so den Temperaturan- stieg. In Form von Mikrokapseln können Pa- raffine in Verputze eingebracht werden. ISE-Forscher Peter Schossig: «1,5 Zentimeter eines solchen Putzes hat die gleiche Wärme- kapazität wie eine massive Betonwand. Dies bremst die Überhitzung von Wohnräumen, Büros, Baucontainern und älteren Dachwoh- nungen signifikant.» 1 2

Pages