
46 Umbau und Sanierung Swissbau Focus 1 Der Schweizer Baube- stand hat einen wach- senden Sanierungs- und Erneuerungsbedarf. Ersatzneubau oder Sanierung fallweise klären sige Grundrisse, zu kleine Wohnungen und Zimmer sowie das Fehlen von Liften und Bal- konen. Einen starken Sanierungsanreiz ge- ben ferner Ausnutzungsreserven wie Dach- stöcke, die bei dieser Gelegenheit als attraktive Wohnflächen erschlossen werden können. An guter Lage rentiert der Neubau «Oft stellt sich die Frage, ob eine Sanierungs- strategie eingeschlagen werden soll oder ob nicht ein Neubau vorzuziehen ist», so Binz. Hinsichtlich Rentabilität machen Ersatzneu- bauten vor allem an guten Lagen Sinn. Denn so können besonders hochwertige Wohnun- gen für eine zahlungsbereite Mieterschaft geschaffen werden, deren Ansprüche sich ohne Neubau nur mit einer aufwendigen Gesamtsanierung befriedigen liessen. Oft- mals ist die Variante Ersatzneubau kosten- günstiger. «An schlechten Lagen ist es da- gegen schwierig, diese wirtschaftlichen Vorteile des Ersatzneubaus auszuspielen. Hier ist die Zahlungskraft der Nachfrager be- grenzt, sodass es häufig sinnvoller ist, mit einer Teilsanierung preislich attraktive Woh- nungen anzubieten», erklärt Binz. Sanieren spart graue Energie Auch unter energetischen Gesichtspunkten muss fallweise abgeklärt werden, welche Variante die bessere ist. Denn trotz des ein- maligen Mehrverbrauchs an grauer Energie bei der Erstellung sind Neubauten langfris- tig gesehen energetisch im Allgemeinen deutlich effizienter als Sanierungen. «Eine Gesamtsanierung schneidet jedoch insbe- sondere dann deutlich besser ab, wenn fol- gende beiden Faktoren zutreffen: Es müssen sich wärmebrückenfrei gedämmte Konst- ruktionen und gute Dämmschichtdicken mit vertretbaren Kosten umsetzen lassen. Und die gebäudetechnischen Voraussetzun- gen müssen den Einbau effizienter Einrich- tungen erlauben», erklärt Binz. Deshalb bleibe die energetische Sanierung des Ge- bäudebestands eine Königsdisziplin der Energiepolitik. «An schlechten Lagen ist es schwierig, wirtschaftliche Vorteile des Ersatzneubaus auszuspielen, da die Zahlungskraft der Nachfrager begrenzt ist.» Prof. Armin Binz, Leiter Minergie Agentur Bau Zwei Fünftel des Energieverbrauchs gehen auf das Konto des Immobilien- parks. Eine kluge Gebäudeautoma- tion reduziert den Strom- und Wärmebedarf erheblich. Die höheren Investitionen zahlen sich durch Einsparungen im Betrieb schon nach wenigen Jahren aus. Elias Kopf S pätestens nach 75 Jahren sollte ein Gebäude von Grund auf saniert oder ersetzt werden. An guter Wohn- oder Geschäftslage schwingt der Neubau dank hoher Rentabilität obenaus. Aus ener- getischer Sichtweise kann dagegen oft auch eine Sanierung Sinn machen. «Die Erneuerung der Schweizer Wohngebäu- de hinkt seit Jahren hinter der Bestandesal- terung her», konstatiert Armin Binz, Leiter der Minergie Agentur Bau. Die Folge ist nicht nur eine zunehmende Demodierung. Auch punkto Energieverbrauch sind nicht sanierte Altbauten unbefriedigend. Grundsätzlich sollten Wohngebäude alle 50 bis 75 Jahre in ihrer Grundstruktur erneuert werden. Da- hinter stehen zum einen bautechnische Sachzwänge wie Schallprobleme, defekte Leitungen und Schäden an der Gebäudehül- le. Zum andern gilt es, funktionelle Defizite zu beseitigen – insbesondere unzweckmäs- 1