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Swissbau Magazin 2012

21 auch Varianten der Wohnwert- verbesserung bzw. Grundrissan- passung. Zusammengefasst ka- men wir zum Ergebnis, dass Optimierungen der Wohnflä- chen und Balkone oder die Sa- nierung mit einer hinterlüfteten Holzfassade Mehrkosten von 600 000 bis 700 000 Franken bedingen. Und wie viel machen die ener- getischen Optimierungen aus? In diesem Punkt kamen wir zu hochinteressanten Resultaten. Der jeweils nächste Schritt – also von der Variante Standard zu Minergie oder von Minergie zu Minergie-P – macht nur 100 000 bis 150 000 Franken aus. Damit zeigt sich, dass die Mehrkosten im Energiebereich sehr moderat ausfallen, tiefer jedenfalls als die Verbesserun- gen bei den Materialien. So ge- Worauf kommt es an, wenn man Minergie-P oder Minergie- A erfolgreich umsetzen will? Sehr entscheidend sind die Kompetenz, das Know-how und die Erfahrung des Architektur- büros. Die beigezogenen Planer müssen von dieser Technik wirk- lich etwas verstehen. Dabei kann es sich lohnen, die Fach- leute im Rahmen eines General- planerteams beizuziehen. In der Praxis heisst es, energie- effizientes Bauen setze eine dicke Dämmschicht voraus. Wie sehen Sie das? Auch hierbei handelt es sich um ein Vorurteil. Wir arbeiten der- zeit am ersten Minergie-P-Eco- Hochhaus der Schweiz. Wegen des relativ hohen Glasanteils an der Fassade genügen im Fall die- ses Neubaus bereits Dämmstär- ken von lediglich 16 cm. Dietrich Schwarz realisierte mit dem Eulachhof in Winterthur die erste grössere Null-Energie-Sied- lung der Schweiz. Und derzeit arbeitet er am ersten Hochhaus im Minergie-P-Eco-Standard. Prof. Dietrich Schwarz ist Inhaber des gleichnamigen Architekturbüros in Zürich und Professor an der Universität Liechtenstein. Er gewann mit seinen Bauten viermal den Schweizer Solarpreis, 2007 den inter- nationalen DETAIL-Preis und 2009 den Watt d’Or des BFE. «Die Rentabilität ist gegeben» Interview mit Prof. Dietrich Schwarz «Minergie P macht sich bezahlt» Der Mehrwert von Minergie- bauten sei objektiv messbar, sagt Peter Meier, Financial Engineer Immobilien der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Herr Meier, zum Return on Investment von nachhaltigem Bauen gab es schon verschie- dene Untersuchungen. Kommt man immer zu ähnlichen Schlüssen? Nicht immer. Einerseits sind die Investitions- kosten je nach Baustandard sehr unter- schiedlich, zudem muss zwischen Ein- und Mehrfamilienhäusern unterschieden wer- den und auch, ob es sich um einen Neu- oder einen Umbau handelt. Mit der von uns ange- wandten Bewertungsmethode ist es jedoch möglich, die Zahlungsbereitschaft für nach- haltiges Bauen mit effektiven Markttrans- aktionen genau zu schätzen. Andere Ansätze werden oft für ihre Subjektivität kritisiert. Bei der Bewertung der Heizkosteneinspa- rungen werden zum Beispiel unterschiedli- che Szenarien bezüglich der Entwicklung der Heizölpreise verwendet. Auch die Frage, ob eine Komfortverbesserung in die Bewertung einfliesst oder nicht, wird sehr unterschied- lich beurteilt. Worauf genau ist der Effekt zurückzufüh- ren, dass sich die Investitionen in Minergie lohnen? Herr Schwarz, lohnen sich die Mehrinvestitionen für Miner- gie-P? Wir haben soeben einen hun- dertseitigen Bericht für die Sa- nierung eines Wohnhauses aus den Sechzigerjahren fertigge- stellt. Für uns ist es wichtig, sol- che Entscheide auf fundierter Basis und gestützt auf Varian- tenstudien zu fällen. Dabei stell- ten wir fest, dass sich die Inves- titionen für Minergie-P sehr wohl auszahlen. Wie setzen sich die Mehrauf- wendungen zusammen? In der Studie haben wir zwi- schen Material- und baulichen Aspekten einerseits und den energietechnischen Massnah- men andererseits unterschie- den. Soziale Aspekte im Woh- nungsbau sind heute sehr wichtig, deshalb verglichen wir sehen kommen wir sehr klar zum Schluss, dass sich Minergie- P oder sogar das neue Minergie- A auch wirtschaftlich sehr wohl lohnen. Die Mehrausgaben un- ter Berücksichtigung höherer Mieterträge und tieferer Ener- gie- und Betriebskosten zahlen sich aus. In unserem Fallbeispiel handelt es sich um ein Mehr- familienhaus in der Agglomera- tion, das auf dem harten Mie- termarkt bestehen muss. Dennoch gibt es immer noch Vorurteile, Minergie-P bedinge viel Technik und längerfristig höhere Unterhaltskosten. Stimmt das? Das sind tatsächlich längst wi- derlegte Vorurteile. In unseren detaillierten Berechnungen sind die Unterhaltsaufwendun- gen selbstverständlich berück- sichtigt. Im Einzelfall ist die Antwort einfach: Die Investitionskosten dürfen den zukünftigen Wert der Energieeinsparungen und der Komfortverbesserungen nicht übersteigen. Damit sind die drei wichtigsten Komponen- ten genannt: die zusätzlichen Baukosten, der verminderte Energieverbrauch und der erhöhte Wohnkomfort. Mit dem von uns nachgewiesenen Mehrwert von 7 % für die Einfamilienhäuser ist die Rentabilität gege- ben. Die Bausubstanz macht bei einem Haus rund 70 % des Gesamtwertes aus, der Rest entfällt auf den Boden. Die von Minergie zu- gelassenen Mehrkosten von 10 % werden damit vollumfänglich vom Markt entschädigt, da sich der Mehrwert auf den Ge- samtwert der Liegenschaft und nicht nur auf die Bau- kosten bezieht.

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