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Swissbau Magazin 2012

Katharina Truninger 17 Agglomeration macht das Verdichten, Erschliessen und Umnutzen von Industrieflächen und Wohnquartieren Sinn. Durch geschicktes Anbauen, Aufstocken, Ausnützen der Dachgeschosse und Sanieren können veraltete Wohnsiedlun- gen aufgewertet und Industrie- gebäude umgenutzt oder erweitert werden. Für die Ver- dichtung wichtig sind zudem qualitativ hochwertige Neu- oder Ersatzbauten in kompakter Architektur, die ein dichtes Wohnen und Arbeiten zulassen und gleichzeitig einen attraktiv gestalteten Aussenraum bieten. Wie lassen sich wenig belebte aussenquartiere besser nutzen? Durch geschickte, weitsichtige Planung und Neubelebung, etwa mit attraktiven Wohnbau- projekten, die eine altersdurch- mischte Nutzung fördern. Zur Wohnqualität gehört heute, dass Infrastruktur, öffentlicher Verkehr, Schulen, Einkaufsmög- lichkeiten und Erholungsraum in der Nähe sind. Dies alles muss bei einer nachhaltigen Quartier- Martin Vinzens, Leiter der ARE-Sektion Ländliche Räume und Landschaft Interview «Dichtes Bauen kann sehr attraktiv sein» Bauland deblockieren Gemäss den Szenarien des Bundesamts für Statistik wird die Schweizer Bevölkerung bis 2030 um 0,8 bis 1,4 Millionen Einwohnerin- nen und Einwohner anwachsen. «Eigentlich würden die heutigen Siedlungsgebiete aus- reichen, um diesen Menschen Wohnraum zu bieten», betont Vinzens. Allerdings werden die vorhandenen Siedlungsflächen längst nicht überall optimal ausgenutzt: «Immer noch wird vielerorts Bauland gehortet und dadurch blockiert», bedauert Vinzens. Kan- tonale Gesetze könnten diesem Missstand vorbeugen. Ein Beispiel ist der Kanton Solo- thurn, der eine vertragliche Bauverpflich- tung vorsieht. Um eine koordinierte Bau- landentwicklung zu verfolgen, müssten zudem die Nutzungsreserven im überbau- ten Gebiet allgemein bekannt sein – dazu gehören Industriebrachen, unbebaute Flä- chen oder die Möglichkeit zum Aufstocken, Wachstum nach innen bedeu- tet dichteres Bauen. Wie kön- nen Siedlungen verdichtet wer- den, ohne an Wohnqualität einzubüssen? Wir kennen dazu städtebaulich viele positive Beispiele und Ent- wicklungen. Die Städte haben den Turnaround geschafft und bieten attraktiven Wohnraum in urbanen, sehr dichten Quar- tieren. Innovative Beispiele sind etwa die Umnutzungen von In- dustriearealen, die zudem oft in Bahnhofsnähe und damit gut erschlossen sind. Auch in der Noch immer wächst die Siedlungsfläche der Schweiz rasant, neue Bauzonen werden häufig zu leichtfertig aus- geschieden. Soll die Schweiz jedoch nachhaltig wachsen, gilt es, die bestehenden Flächen optimal zu nutzen: Wachstum nach innen und Verdichtung ist angesagt – mit städtebaulicher und raumplanerischer Weitsicht. entwicklung berücksichtigt wer- den. Wo stehen wir bei der Umset- zung? Durch innovatives Planen und Bauen ist heute attraktives Wohnen und ein Wachstum auf engem Raum möglich, ohne weiteres Bauland auszuschei- den. Fortschrittliche Städte und Gemeinden setzen dies seit Langem um, auch mit Planungs- wettbewerben. Dennoch be- steht besonders in kleineren Ge- meinden noch Nachholbedarf. Aus- oder Anbauen. Obschon manche Kan- tone und Gemeinden diese Aufgabe in den letzten Jahren vorbildlich angepackt hätten, sei dies noch nicht überall der Fall, so Vin- zens. Verdichtungsstudien helfen weiter Ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen Siedlungsplanung ist es, Vor- stellungen zu entwickeln, wo eine Verdich- tung kantonal und regional Sinn macht. Ge- fragt ist eine Planung in funktionalen statt politischen Räumen: «Wir müssen über die Gemeinden- und Regionsgrenzen hinaus- denken, wenn wir nachhaltig wachsen wol- len», erklärt Vinzens. Positive Beispiele sind die Verdichtungsstudien des Kantons Basel- land, die Erfassung der Baulandreserven im Kanton Schwyz oder die Revitalisierung der Industriebrachen in der Region Lausanne- Morges und im Kanton Aargau. D ie Schweiz ist bereits heute stark zersiedelt. Sollen die landschaftli- chen Qualitäten und Freiräume er- halten bleiben, gilt es, die Sied- lungsentwicklung nachhaltig zu gestalten: Statt eines unkontrollierten Wachstums in die Fläche fordern Fachleute aus Raumpla- nung und Städtebau heute ein qualitatives Wachstum nach innen. Dass dies auch bei wachsender Bevölkerung möglich ist, zeigen Nutzungsstudien von Bund, Kantonen, Regi- onen und Städten auf. Die Stadt Zürich etwa will ihre Siedlungsfläche trotz steigender Be- völkerung nicht vergrössern. Auch das Bun- desamt für Raumentwicklung (ARE) strebt eine nachhaltige Siedlungsentwicklung an: «Statt die Siedlungsfläche immer weiter auszudehnen, müssen wir das Vorhandene besser nutzen», sagt Martin Vinzens, Leiter der ARE-Sektion Ländliche Räume und Land- schaft.

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