
10 Architektur 2 Martin Fehle Warum unterstützt der SBV diese Studie? Werner Messmer: Bauen ist ein vielschichti- ger Prozess, an dem viele Akteure beteiligt sind. Trotz des Bestrebens aller, Qualität auf Anhieb zu liefern, kommt es leider immer wieder zu kleineren oder grösseren Baumän- geln. Dies ärgert den Bauherrn und die am Bau Beteiligten, schmälert die bereits knap- pen Margen, bringt Zeitverluste mit sich und zehrt an den Nerven. Sie schaden dem Ruf der Branche. Wenn es gelingt, dank der Er- gebnisse der Studie die Zahl und Schwere von Baumängeln zu vermindern, hat sie ih- ren Zweck erfüllt. Warum schlägt der SBV dieses Thema vor? Werner Messmer: Die Swissbau ist aner- kanntermassen die grösste Leistungsschau der Schweizer Bauwirtschaft. Sie bildet da- her den idealen Rahmen, Fragen der Qualität im Bau unter allen Baubranchen zu diskutie- ren. Es geht dabei nicht um Schuldzuweisun- gen und «Schwarzer-Peter-Spiel», sondern um das Bemühen, gemeinsam aus Fehlern zu lernen im Interesse von Bauherren und der gesamten Bauwirtschaft. Welches Ziel verfolgt die Studie? Prof. Sacha Menz: Aus der systematischen Analyse von Mängelursachen werden An- wendungshilfen für die betroffenen Akteure bereitgestellt. Auch hier gilt das Motto: Vor- beugen ist besser als heilen. Aus der Studie wird ein Handbuch hervorgehen, das mit Hilfe von Beispielen aufzeigt, wie Fehler ver- mieden werden können, um die Qualität auf Anhieb sicherzustellen. Bauen ohne Mängel – Wunsch oder Realität? Im Auftrag von bauenschweiz, der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft, zeichnet der Schweizerische Baumeisterverband SBV für die Eröffnungsveranstaltung der Swissbau vom Dienstag, 17. Januar 2012, verantwortlich. Er stellt die Qualität im Bau ins Zentrum des Anlasses und liefert mit ersten Ergebnissen einer Studie über Baumängel im Schweizer Wohnungsbau Grundlagen für die Diskussion von Ursachen und Massnahmen. Die Studie wird am Institut für Technologie in der Architektur ITA an der ETH Zürich durchgeführt und von Prof. Sacha Menz betreut. Was ist der Inhalt der Studie? Prof. Sacha Menz: In der Studie, deren Grund- lage Mängelprotokolle und Gutachten sind, werden Baumängel auf deren Ursachen hin untersucht. Die daraus resultierenden Er- kenntnisse werden methodisch qualitativ in Gesprächen mit Vertretern der im Fokus ste- henden Arbeitsgattungen überprüft. Ein Ursachenmodell veranschaulicht abschlies- send die Zusammenhänge und stellt Abhän- gigkeiten dar. Wer ist an der Studie beteiligt? Prof. Sacha Menz: Initiator der Studie ist das Institut für Technologie in der Architektur an der ETH Zürich. Mit dem Schweizerischen Baumeisterverband, der sowohl fachlich als auch finanziell zur Seite steht, wurde ein kompetenter Partner gefunden. Ebenso entscheidend für die Studie war und ist die hohe Bereitschaft Dritter zur Mithilfe: Hier sind zum einen die Organisationen zu nennen, die Gutachten und Mängelproto- kolle anonymisiert zur Verfügung stellten, und zum anderen die Verbände und am Bau Beteiligten, mit denen eine Vielzahl von Interviews geführt werden konnte. Zum Schluss sind die Anwender der Studie zu nennen. Die aus den Forschungsergebnissen zu ziehenden Lehren sind als Anregungen und Vorschläge gedacht. Jeder Einzelne muss selbst Schlussfolgerungen ziehen, denn die eigene Verantwortung für den Beitrag am Bauwerk ist individuell. Nicht zu vergessen ist dabei auch die Verantwortung des Bau- herrn. «Wenn es gelingt, dank der Ergeb- nisse der Studie die Zahl und Schwere von Baumängeln zu ver- mindern, hat sie ihren Zweck erfüllt.» Werner Messmer, Zentralpräsident SBV «Die aus den Forschungsergebnissen zu ziehenden Lehren sind als Anregungen und Vorschläge gedacht. Jeder Einzelne muss selbst Schlussfolgerungen ziehen.» Prof. Sacha Menz, ETH Zürich Interview